Die hohe Kunst, den bittern Kern des Lebens
Erkennen und es freudig doch bejah'n;
Der armen Menschheit ganzen Jammer fassen
Und dennoch lachen, lachen, hell und heil-
Hat er uns nicht den Schlüssel dagelassen
Zu seines Erbes allerbestem Teil ?

aus dem Gedicht “Wilhelm Busch” v. Ostini 1908
 

 

 

Wilhelm Busch

Wilhelm Busch

15.April 1832 - 09.Januar 1908

 

Wer kennt ihn nicht?,
und doch

Wer kennt ihn
wirklich?

 

Kurz will ich ein Bild vom Leben
unseres Dichtermalers geben

In Wiedensahl, dem kleinen Flecken,
um den sich Feld und Wald erstrecken,
trennt Wilhelm froh sich und ergeben
vom intrauterinen Leben.

Achtzehnhundertzweiunddreißig
schreibt man-und das Haus ist fleißig,
wo des Vaters Hand regiert
und den Krämerladen führt.

Als Wilhelm 16 Jahre zählt,
den nötigen Beruf man wählt:
Er kann gut zeichnen, und darum
soll er auf's Polytechnikum!
Alldort studiert er mit Geschick
Maschinenbau und Math'matik !

Jedoch das Zeichnen von Maschinen
vermocht ihm nicht zur Freude dienen.
Es regt sich, was bisher verkannt:
die talentierte Malerhand,
und bald darauf schon übet sie
im Saal der Kunstakademie
in Düsseldorf am schönen Rhein-
dort will der Busch nun Maler sein.

Später geht mit Vaters Gunst
Busch ans Münchner Haus der Kunst,
um auf weiteren Gefilden
sich noch breiter auszubilden.

Sein Malwerk ist nicht unerheblich,
nur dünkt es Busch nicht als erstreblich,
wenngleich er Bilder hinterlassen,
die wohl in Galerien passen.
Verpönt ist ihm die Lehrmethode,
die Bildhauer- und Malermode,
die man in München praktiziert
und die er absolut negiert.

Doch im “Verein der Künstler” strebt er
den Zielen zu- und davon lebt er-,
die ihn nach jahrelangem Ringen
dann endlich zum Entschlusse bringen.

Und nun trifft er die rechte Wahl:
Als Zeichner fühlt er sich genial!
Zu seinem Können noch die Gunst
der Verse und der Sprache Kunst.
Und ferner ist der lust'ge Maler
ein Philosoph, ein recht realer;
er greift hinein ins Alltagsleben
und weiß klug die Kritik zu geben,
die jedem aufgeschlossnen Geist
den rechten Weg nach oben weist.
Für den, der schwieriger zu leiten,
benutzt Busch manchmal Grausamkeiten,
wird eindringlich, robust und scharf,
und zeigt uns klar, was nicht sein darf.

Des Dichters Hort nach eigner Wahl
wird dann sein kleines Wiedensahl.
Im Haus der Schwester ländlich klein,
in dem spartan'schen Zimmerlein
kommt er auf mancherlei Gedanken,
die sich um Welt und Menschen ranken.
Und tief in Tabaksrauch gehüllt,
das Becherglas mit Wein gefüllt,
schreibt er und zeichnet unermüdlich--
die ganze Welt tut sich dran gütlich.

Er bleibt allein, weil die Erkürte
ein reicher Kaufmann ihm entführte.
 

 

 

“”Sie war ein Blümlein, hübsch und fein,
hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
der selig an der Blume hing.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze
von ihm so heißgeliebte Pflanze””
... W.B.
 

Viel Ehrung hat man Busch gezollt,
doch ungern hat er sie gewollt.
Betagt schied er nach reifem Leben,
das ihm und uns so viel gegeben.
 

 

 

“”Also geht alles zu Ende allhier:
Feder, Tinte, Tobak und auch wir.
Zum letzen Mal wird eingetunkt,
dann kommt der große schwarze
Tintenklecks  “” W.B.

Busch

Quelle: ”Nicht immer ist der Mensch nur heiter....”
v. A. Bienengräber 1983

 

Joomla templates by a4joomla