John Wheelwhrigt fungiert als Erzähler seiner Kinder-und Jugendjahre, die er mit
Owen Meany zusammen verlebt hat.
Es ist wie eine Hymne auf eine ganz große und sehr tiefe Freundschaft zweier Jungen.
 
"......... ich bin dazu verdammt, mit der Erinnerung an einen Jungen mit einer entsetzlichen Stimme zu leben - nicht wegen der Stimme, auch nicht weil er der kleinste Mensch war, der mir je begegnet ist, und nicht einmal, weil er das Werkzeug zu Tod meiner Mutter war, sondern weil er der Grund ist, warum ich an Gott glaube: wegen Owen Meany bin ich Christ geworden......"
 

 
 
 
 
 
So beginnt das Buch     
und der Anfang schon macht neugierig.
 

buch_Owen Meany


Mit seinem, allen "Irvingianern" bekannten Humor und seinem manchmal bissigen Sarkasmus, aber auch mit viel menschlicher Wärme schreibt Irving diesen sehr breit gefächerten Roman ..... über Freundschaft und Liebe, über Politik, über Religion. Die Kindheit spielt in den 50-ern, es folgt die Zeit unter Kennedy, die Zeit des Kampfes gegen Rassismus, die Zeit des Vietnam-Krieges, die Zeit der Niederlage Amerikas in diesem Krieg, die sechziger Jahre mit ihrem Traum von einer friedlichen Welt bis zur Reagan-Ära mit ihren schmutzigen Affären.
 
(Lire, Paris.) Zitat:
"Noch nie war Irving so grundsätzlich, so politisch, so entschieden wie in "Owen Meany". Eine Abrechnung mit dem Amerika von heute..."
 
Über 850 Seiten baut Irving  die Spannung auf, erst im letzten Kapitel entwirrt er dieses vielfädige Knäuel, so dass ich am Ende einfach traurig sein mußte, zum einen, weil dieses Entwirren trauig endet und zum anderen, weil das Buch als solches zu Ende gelesen war, und ich mich von den Romanfiguren verabschieden mußte.
 
Owen Meany ist wohl die herausragendste Gestalt in Irvings Schaffen.
In ihm vereinen sich unsere Vorstellungen von Freundschaft und Treue, von menschlicher Wärme zusammen mit einem scharfen Verstand u. von dem Streben nach vorn .
 
Sein Freund John Wheelwhrigt verschwindet etwas hinter dem Licht, das Owen um sich herum verbreitet, aber das liegt wohl in der Absicht des Autors, der John mit keinen besonders herausragenden Eigenschaften ausgestattet hat. Trotzdem spielt er eine sehr sehr wichtige Rolle, denn er ist Owens Vertrauensperson in allen Fragen. Mit ihm allein spricht Owen über sein Verhältnis zu Gott und den Menschen, über seine Ideale und seine Urteile über die Politik. Er ist ein unbestechlicher Kritiker.
 
Für mich verschwinden Bücher wie "Die vierte Hand" und "Witwe für ein Jahr" im Nebel der Bedeutungslosigkeit, wenn man auf der anderen Seite "Owen Meany" und "Gottes Werk und Teufels Beitrag" sieht.

 

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