GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG

Roman von John Irving

Herrlich wild fabulierte, von großer Liebe zu den Figuren getragene Vater-Sohn-Geschichte, zugleich eine leichtfüßige Auseinandersetzung mit dem heiklen Thema Abtreibung und ein flammendes Plädoyer für die Entscheidungsfreiheit der Frauen.

Gottes Werk und Teufels Beitrag
Buchcover: Diogenes Verlag

Inhalt: Das Waisenhaus St. Cloud's in Maine ist in den 1930er Jahren Anlaufstelle für junge Frauen mit ganz verschiedenen Problemen. Denn beim Direktor des Hauses, dem eigenwilligen Gynäkologen Dr. Wilbur Larch, sind nicht nur Schwangere willkommen, die hier ein Kind zur Welt bringen und es gleich dalassen möchten, sondern auch Frauen, die eine Abtreibung vornehmen
lassen wollen. Dass dies illegal ist, stört ihn wenig: Gottes Werk (die Geburt) und des Teufels Beitrag (die Abtreibung) seien Kehrseiten ein und derselben Medaille, und jede Frau sollte immer frei wählen dürfen.

Eines der in St. Cloud's zur Welt gekommenen und hier aufgewachsenen Waisenkinder, Homer Wells, erweist sich als schwer vermittelbar: Vier Mal ist er adoptiert worden, vier Mal wurde er "zurückgegeben". Homer hat inzwischen ein Alter erreicht, in dem er kaum mehr eine Chance auf eine weitere Adoption hat, und so gestattet der mittlerweile etwas altersschwache Wilbur Larch ihm, in St. Cloud's zu bleiben - unter der Bedingung, dass er ihm bei seiner Arbeit assistiert. So wird Homer, ohne je eine Universität oder eine Klinik von innen gesehen zu haben, im Lauf der Zeit zu einem erfahrenen Geburtshelfer und Arzt. Abtreibungen vorzunehmen weigert er sich jedoch strikt.

Nicht zuletzt weil er sich mit Wilbur in der Abtreibungsfrage uneinig ist, verlässt Homer als junger Mann St. Cloud's, um seinen eigenen Weg zu finden. Er arbeitet auf einer Apfelplantage und lernt Freundschaft sowie die Liebe kennen. Eines Tages, nachdem er bereits eine lange Odyssee hinter sich hat, erfährt er vom Tod Wilbur Larchs - und steht vor der Frage, ob er nach St. Cloud's zurückkehren soll, um als Wilburs Nachfolger Gottes Werk - und Teufels Beitrag? - zu erfüllen.

Wirkung: Der 1985 erschienene Roman wurde, wie schon auch Irvingsvorherige Romane, zu einem Weltbestseller. Für seine einfühlsame und undogmatische Behandlung des zentralen Themas, der Frage nach Recht oder Unrecht von Abtreibungen, und für die unnachahmlich fantasievolle Einbettung dieser ernsten Thematik in eine unterhaltsame Romanhandlung erntete der Autor viel Lob. "Gottes Werk und Teufels Beitrag" wurde 1999 von Lasse Hallström fürs Kino verfilmt; John Irving hatte selbst das Drehbuch geschrieben und erhielt dafür einen Oscar.

Der Autor: Seit dem weltweiten Erfolg seines Romans "Garp und wie er die Welt sah" wurde nahezu jedes weitere Werk von John Irving zu einem Bestseller. Seine umfangreichen Romane kritisieren die US-amerikanische Gegenwartsgesellschaft und zeichnen sich durch eine Fülle fantastischer, grotesk-komischer Einfälle aus. Der in Neuengland aufgewachsene Irving wusste bereits mit 19 Jahren genau, was er werden wollte: Ringer und Schriftsteller.

Er studierte englische Literatur in New Hampshire und Iowa. Ein Studienaufenthalt in Wien 1963/64 hatte entscheidenden Einfluss auf sein literarisches Schaffen, einige seiner Romane spielen zum Teil in dieser Stadt. Bis 1979 arbeitete Irving als Lehrer an verschiedenen Universitäten. Er lebt heute in Vermont. Bereits 1968 war der erste Roman von Irving erschienen ("Lasst die Bären los!"), doch erst der vierte, "Garp und wie er die Welt sah", brachte ihm 1978 den Durchbruch.

Er wurde ein Welterfolg, ebenso wie die meisten folgenden Romane ("Das Hotel New Hampshire" 1981, "Owen Meany" 1989), von denen einige erfolgreich verfilmt wurden. Sein Entwicklungs- und Schelmenroman "Die vierte Hand" (2001) ist wieder eine groteske Gesellschaftssatire auf das moderne Amerika.
 
 
 
Quelle Autoreninformation: Harenberg - Das Buch der 1000 Bücher, Meyers Lexikonverlag

 

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